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7 von 10 Deutschen würden mit Immobilien vorsorgen, wenn…

Autorin: Dagmar Hotze
Was denkt Deutschland zum Vermögensaufbau mit Immobilien? Wir haben alle Insights aus der repräsentativen Umfrage zusammengestellt.

Repräsentative Umfrage zur Rolle von Immobilien für den Vermögensaufbau

Das Wichtigste im Überblick:

 

- Die Hälfte der Deutschen hält Immobilien zum Vermögensaufbau für relevant.

- 70 Prozent würden so früh wie möglich mit dem Sparen beginnen, könnten kleine Beträge in Immobilien angelegt werden.

- Unter 30-Jährige möchten weniger spekulieren und erwarten vor allem Sicherheit.

- Über 80 Prozent konnten sich vorstellen in Immobilien zu investieren, wenn die Prozesse einfach und die Informationen transparent wären.

- Wissenslücke über Anlageformen in Immobilien bei Frauen größer als bei Männern.

 

Die repräsentative PROPVEST Umfrage zur Rolle von Immobilien für den langfristigen Vermögensaufbau zeigt die enorme Bedeutung der Anlageklasse für die Deutschen: Jeder zweite Bundesbürger (54,2 Prozent) hält Immobilien für die Vermögensbildung relevant. Besonders groß ist die Zustimmung in der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahre, in der drei Viertel (75,7 Prozent) Immobilien als sinnvollen Baustein zur finanziellen Absicherung sehen. Aufschlussreich ist das Ergebnis auf die Frage, ab welchem Alter mit dem Sparen begonnen werden sollte, könnten kleine Beträge (beispielsweise 100 Euro) in Immobilien angelegt werden: Etwa 70 Prozent würden unter diesen Voraussetzungen so früh wie möglich beginnen. Das eröffnet Optionen für Anlageformen in Immobilien jenseits der klassischen Investitionsmöglichkeiten, allen voran den Kauf einer eigenen Immobilie, über die Finanzproduktanbieter potenzielle Kapitalanleger allerdings besser informieren müssen, wie die Ergebnisse verdeutlichen.

 

Hohes Vertrauen in die Anlagensicherheit von Immobilien 

 

Das Vertrauen in Immobilien als krisenfeste Kapitalanlage ist generationsübergreifend hoch: Knapp 70 Prozent sind der Ansicht, dass Immobilieninvestitionen sicher bis sehr sicher sind. Am größten ist die Zuversicht bei den unter 30-Jährigen (73,9 Prozent) und bei der Einkommensgruppe ab 3.000 Euro (79,2 Prozent). Die Geschlechter unterscheiden sich nur gering, was die Erwartungshaltung an die Robustheit von Immobilieninvestments betrifft: 18,8 Prozent der Männer und 17,5 Prozent der Frauen sind vollauf von der Krisenfestigkeit des unbeweglichen Sachguts überzeugt. Die Sicherheit der Anlageklasse Immobilien stellen lediglich 5,5 % der Umfrageteilnehmer in Frage.

 

Unter 30-Jährige erwarten Sicherheit und Rentabilität 

 

Höchst unterschiedlich ist die Motivation in Immobilien zu investieren. Während von den Jungen nur Wenige spekulieren wollen (32,1 Prozent) und die Mehrheit eine möglichst hohe Wertstabilität (63,4 Prozent) erwartet, gehen die zwischen 46 und 64-Jährigen die Sache wesentlich offensiver an: Mehr als jeder Dritte (77,9 Prozent) ist bereit Risiken einzugehen und über die Hälfte (55,7 Prozent) ist sich bewusst, dass es Wertschwankungen geben kann. Entsprechend moderat ist die Erwartung an die Rendite: Nur etwa jeden zehnten Älteren (9 Prozent) treibt der Profit. Ein Teil (20,3 Prozent) fokussiert sich lieber darauf, dass das Geld angesichts niedriger Zinsen überhaupt sinnvoll angelegt ist, was hauptsächlich die höheren Einkommensbezieher beschäftigt. Bei den unter 30-Jährigen würde jeder Fünfte (22,8 Prozent) vorrangig aus Gewinnstreben in Immobilien investieren. Am wenigsten risikobereit sind Geringverdienende (22,8 Prozent), von denen lediglich jeder Zweite (52,2 Prozent) davon ausgeht, dass Immobilien inflationssicher sind und nicht einmal jeder Dritte (31,1 Prozent) ist von ihrer Wertstabilität überzeugt.  

 

Einfachheit und Transparenz macht Investieren attraktiv  

 

Bemerkenswert sind die Antworten auf die Frage, ob Geld in Immobilien angelegt würde, wenn die Prozesse einfach und die Informationen transparent wären: Über 80 Prozent könnten sich dann vorstellen, in Immobilien zu investieren. Vor allem die Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen (57, 8 Prozent) und Einkommensbezieher von 3.000 Euro und mehr (62,2 Prozent) zeigten sich unter diesen Voraussetzungen offen für Immobilienanlagen. Auch viele Frauen (44,7 Prozent) und die Einkommensgruppe unter 2.000 Euro (42,7 Prozent) kämen als Kapitalanleger in Betracht, wenn Immobilieninvestitionen unkompliziert und nachvollziehbar wären. Nur etwa jeder Zehnte (11,2 Prozent) würde auch dann sein Geld nicht in Immobilien anlegen, selbst wenn der Zugang leicht sein würde. 

 

Alternativen zum Immobilienkauf nur wenig bekannt

 

Überaus denkwürdig ist die geringe Bekanntheit von Anlageformen in Immobilien: Zwar kennen über 80 Prozent den Kauf einer eigenen Immobilie als Mittel zum Vermögensaufbau, aber nur 41,7 Prozent ist der Kauf von Aktien von einer Immobiliengesellschaft als Geldanlagemöglichkeit ein Begriff. Zudem weiß nicht einmal jeder Zweite (46,1 Prozent), dass Immobilienfonds ebenfalls eine Möglichkeit sind, Geld in Immobilien zu investieren. Hingegen sind Crowdinvesting-Plattformen generationsübergreifend und einkommensunabhängig immerhin 12,8 Prozent bekannt, obwohl es sich um eine verhältnismäßig neue Anlageform handelt. Frappant ist der Geschlechterunterschied, was den Bekanntheitsgrad von Crowdinvesting betrifft: Während beinahe jeder fünfte Mann (18,6 Prozent) digitales Investieren in Immobilien kennt, liegt der Anteil der Frauen bei gerade einmal 6,9 Prozent, und ist damit um etwa das Dreifache niedriger.

 

Wissen über Anlageformen fehlt vielfach

 

Auffallend ist das fehlende Wissen über Anlageformen in Immobilien quer durch alle Alters- und Einkommensgruppen: Zwar ist die Wissenslücke mit 19 Prozent bei den Geringverdienenden am ausgeprägtesten. Doch auch 6,6 Prozent der hohen Einkommensbezieher wissen nicht, welche Optionen es gibt, Geld in Immobilien anzulegen. Am besten informiert sind die unter 30-Jährigen, von denen jeder Zweite sowohl von Immobilienaktien (49,6 Prozent) als auch Immobilienfonds (49,3 Prozent) gehört hat und jeder Sechste (17,5 Prozent) etwas mit Crowdinvesting anzufangen weiß. Gravierend ist der Wissensunterschied zwischen den Geschlechtern: Während nur 9,4 Prozent der Männer angeben, keine Investitionsmöglichkeiten in Immobilien zu kennen, sind es bei den Frauen mit 17,1 Prozent fast doppelt so viele.

 

Wer früh spart, hat mehr vom Alter

 

Einigkeit herrscht bei der Frage, ab welchem Alter gespart werden sollte, wenn kleine Beträge von etwa 100 Euro in Immobilien angelegt werden könnten: Unabhängig von Alter, Einkommen und  Geschlecht sprechen sich in diesem Fall 70 Prozent dafür aus, frühestmöglich mit dem Investieren zu beginnen. In der Altersgruppe der 18- und 29-Jährigen ist jeder Fünfte (19 Prozent) überzeugt, dass man ab dem 20. Lebensjahr mit dem Anlegen beginnen sollte, wenn es in kleinen Tranchen möglich wäre. Bei den Geringverdienenden ist es fast jeder Siebte (13 Prozent). Außerdem besteht weitestgehender Konsens darüber, dass der Vermögensaufbau ab dem 40. Lebensalter schwierig wird, selbst bei kleinen Sparbeträgen. Einzig Einkommensbezieher unter 2.000 Euro halten das Investieren geringer Beträge auch dann für sinnvoll - schließlich macht Kleinvieh auch Mist.

 

Niedrigschwellige Angebote für Geldanlagen in Immobilien schaffen

 

Die Ergebnisse belegen, dass Geldanlagen in Immobilien für viele Bundesbürger, ungeachtet von Alter, Einkommen und Geschlecht, interessant zur nachhaltigen Vermögensbildung sein könnten, wenn der Zugang zu entsprechenden Investitionsmöglichkeiten leicht wäre und sie mehr über das Investieren in Immobilien jenseits des Kauf einer eigenen Immobilie wüssten. Insbesondere der Wunsch, langfristig kleine Beträge in Immobilien anzulegen, sollte Finanzproduktanbieter dazu anregen, diesbezügliche Lösungen zu schaffen. Das nötige „Kleingeld“ hätten die Deutschen.

Fast 7 Milliarden Euro Geldvermögen schlummern derzeit auf privaten Girokonten, für die womöglich Strafzinsen zu zahlen sind. Zumindest ein Teil dieser enormen Summe könnte in den  langfristigen Vermögensaufbau mit Immobilien fließen, wenn es niedrigschwellige Angebote gäbe.

 

Jugend tanzt auf dem Börsenparkett

 

Anlagemuffel sind die Bundesbürger keineswegs. Die Aktionärszahlen jedenfalls erreichten der Studie "Deutschland und die Aktie" des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zufolge in 2020 mit knapp 12,4 Millionen einen neuen Rekord.¹ Besonders die Jugend entdeckte Aktien für sich. Fast 600.000 unter 30-Jährige tanzten im vergangenen Jahr mehr auf dem Börsenparkett, ein Plus von rund 70 Prozent zum Vorjahr. Interessant sind die Gründe, die das DAI für das Erwachen der neuen "Generation Aktie“ anführt: Ausschlaggebend seien attraktive Smartphone- Apps, gepaart mit Neugier und den günstigen Einstiegskursen im Frühjahr 2020.

 

Immobilien müssen für Kleinanleger sexy werden

 

Von so viel Aufmerksamkeit vonseiten privater Kapitalanleger wie den Aktienmärkten zuteil wird, sind die deutschen Immobilienmärkte weit entfernt. Obwohl es auch hier boomt und brummt. Zwar investieren vermögende Privatinvestoren in Immobilien - in 2019 ging knapp ein Drittel der weltweiten Immobilieninvestments von 996 Milliarden US-Dollar auf privates Kapital zurück² -, aber die breite Masse hat Immobilien als attraktives Anlagevehikel längst nicht für sich entdeckt. Wie auch, wenn die bekannteste Form in Immobilien zu investieren, der Kauf eines Eigenheims ist, wie die PROPVEST Umfrage offenlegt. Ein Wunsch, der in Anbetracht des hohen Kapitaleinsatzes für Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen immer weniger in Erfüllung geht³. Zudem möchten sich manche jungen Leute vielleicht auch nicht über Jahrzehnte finanziell derart binden, dass sich das Leben nur noch um die Kreditabzahlung für das Eigenheim dreht. Finanzproduktanbieter stehen demnach vor dreierlei Herausforderungen: Erstens entsprechende Anlagevehikel finanztechnisch zu konstruieren, zweitens sie über das Internet zur Verfügung zu stellen und drittens Immobilien als indirekte Anlageform für Kleinanleger sexy zu machen. Die Zeit dafür ist reif.

Quellen:

¹ Aktionärszahlen DAI

² https://content.knightfrank.com/content/pdfs/global/the-wealth-report-2020.pdf

³ www.f-und-b.de/files/fb/content/Dokumente/News/F+B-Wohn-Index%201-21%20Pressemitteilung.pdf

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