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„Immobilien stellen eine Anlagemöglichkeit dar, mit der noch eine interessante Rendite erzielt werden kann.“

Autorin: Dagmar Hotze
Warum wird mehr über den DAX berichtet als über den Immobilienmarkt? Wie steht es in der Immobilienbranche um das Thema Transparenz? Und sollten sich junge Menschen für Immobilien interessieren? Die Journalistin Dagmar Hotze hat für uns exklusiv mit einem profilierten Immobilienökonom gesprochen.

Du willst Dein Geld sicher und rentabel zum Vermögensaufbau anlegen, bist aber skeptisch, ob Immobilien dafür das Richtige sind? Professor Vornholz erklärt Dir, warum es interessant ist, sich mit Immobilienmärkten zu beschäftigen. Er lehrt Immobilienökonomie an der renommierten EBZ Business School und beschäftigt sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit Immobilienmärkten.

 

Die meisten wissen es: Die gesetzliche Rente reicht nicht

Viele Millennials machen sich Sorgen, im Alter arm zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig: 68 Prozent gehen davon aus, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht, 19 Prozent finden das Thema Altersarmut zu komplex und 11 Prozent meinen, die private Vorsorge ist nicht genug. Außerdem wissen die meisten nicht, wie sie rentabel sparen. 90 Prozent haben ihr Erspartes auf dem Sparbuch oder Girokonto geparkt, was in Zeiten von Strafzinsen, Niedrigzinsen und steigender Inflation ein No-go sein sollte. Zwar investieren einige in Aktien. Aber der Mehrheit fehlt es an Wissen, welche Sparformen es gibt, und dass auch Immobilien als Geldanlage in Frage kommt. Höchste Zeit, von einem Profi zu hören, warum Immobilienmärkte spannend sind.

Herr Prof. Vornholz, wie erklären Sie sich das geringe Interesse von Menschen an Immobilienmärkten im Gegensatz beispielsweise zum wachsenden Interesse an Aktienmärkten?

Prof. Vornholz: Ich habe nicht den Eindruck, dass Menschen ein geringeres Interesse an Immobilien als an Aktien haben. Die Lage auf den Wohnungsmärkten wird ausführlich diskutiert und auch ein Hauskauf wird intensiv vorbereitet. Aber es gibt massive Unterschiede zwischen den Märkten, die zu einer differenzierten öffentlichen Wahrnehmung führen. Aktien unterliegen ständigen Wertveränderungen und das lässt sich gut publikumswirksam darstellen. Weiterhin sind nur wenige Märkte im Fokus, es wird im Wesentlichen nur über den DAX berichtet. Immobilienmärkte sind hingegen sehr heterogen sowohl hinsichtlich der Objektarten als auch der Standorte. Daher stehen eher die lokalen Märkte im Zentrum des Interesses, was aber nicht gut im Fernsehen darstellbar ist.

 

Es gibt nur wenige Alternativen

Warum sollte man sich als Nichtfachmann bzw. Nichtfachfrau für Immobilienmärkte interessieren? 

Prof. Vornholz: Immobilien stellen eine Anlagemöglichkeit, mit der noch eine interessante Rendite erzielt werden kann. In Zeiten der Niedrigzinsen gibt es nur wenige Alternativen, die eine solch attraktive Verzinsung aufweisen. Aber es gilt auch die Relation zwischen Rendite und Risiko zu beachten. Weiterhin können Immobilien ein Baustein zur Altersvorsorge sein, sodass sich auch deshalb Menschen für diese Märkte interessieren sollten.

 

Immobilienmärkte sollten im Fokus sein

Über Aktienmärkte wird recht breitenwirksam berichtet. Massentaugliche Formate, die sich mit Immobilienmärkten befassen, gibt es dagegen nicht. Müsste es für die Allgemeinheit nicht mehr Informationen geben angesichts der Tragweite, die Geschehnisse an Immobilienmärkten haben können? Die Finanzkrise 2008 wurde durch eine geplatzte Immobilienblase in den USA ausgelöst. 

Prof. Vornholz: Die Immobilienwirtschaft ist eine der größten Branchen der deutschen Volkswirtschaft und hat damit einen nachhaltigen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen. Auch aus diesem Grunde sollte dem Immobilienmarkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und nicht nur in Krisenzeiten.

 

Transparenz ist seit Jahren ein Thema

Sehen Sie die Finanz- und Immobilienwirtschaft in der Pflicht für mehr niedrigschwellige und transparente Informationen zu sorgen? Wer käme alternativ dafür in Frage? 

Prof. Vornholz: Wie die Vergangenheit zeigt, gibt es keine Verpflichtung für die Finanz- und Immobilienwirtschaft zu informieren und für mehr Transparenz zu sorgen. Die Marktteilnehmer sollten eigentlich ein weitreichendes Interesse an mehr Informationen haben, deren Fehlen auch immer wieder beklagt wird. Die Diskussion um mehr Transparenz gibt es schon seit Jahren; es geschieht jedoch wenig. Aber vielleicht haben die Marktteilnehmer auch kein Verlangen nach mehr Informationen. Mehr Transparenz bedeutet auch, dass der Informationsvorsprung für wenige verschwindet und damit Geschäfte schwieriger werden könnten.

 

Eigene Recherche ist wichtig

Welchen Rat haben Sie für Leute, die sich fundiert über Immobilienmärkte informieren möchten?

Prof. Vornholz: Auf der einen Seite sind Informationen schwierig zu erlangen und gute Auskünfte kosten Geld. Auf der anderen Seite ist aber auch der Anlagewunsch für die Immobilienrecherche der Menschen zu beachten. Möchte ich nur geringe Beiträge z. B. zum langfristigen Sparen anlegen, gibt es Informationen in den Prospekten von Fonds oder den Immobilienunternehmen. Beim Hauskauf hingegen ist eine eigene umfangreiche Recherche erforderlich, sei es über den Standort oder das Gebäude. Das gilt nicht nur für die Selbstnutzung, sondern auch für die Kapitalanlage in Immobilien.

 

Was ist Immobilienökonomie und womit beschäftigt sich die Disziplin?

Dr. Vornholz ist seit Herbst 2011 Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School, eine private Hochschule für die Ausbildung von Fach- und Führungskräften in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Außerdem ist er Leiter des Bereichs Immobilien-Research der Deutsche Hypo in Hannover. Seine Lehr- und Forschungsinteressen liegen in der volkswirtschaftlichen Analyse der Immobilienwirtschaft und -märkte. In diesem Zusammenhang hat er die ersten immobilienökonomischen Lehrbücher "Volkswirtschaftslehre für die Immobilienwirtschaft" und "Internationale Immobilienmärkte" verfasst.


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