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Das Wohnen in der Zukunft

Autor: Daniel Erning
Es ist immer spannend, einen Blick voraus werfen zu können. Mit diesem Beitrag beleuchten wir Trends und Ergebnisse aus der Forschung, die das Wohnen der Zukunft beeinflussen sollen. Vielleicht trifft etwas davon auf Dich schon heute zu?

Wohnen in der Zukunft: 5 Einflussfaktoren und 5 Wohntrends

Urbanisierung ist einer der Begriffe, auf die Du stoßen wirst, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, wie und wo man in Zukunft wohnt. Von Zeit zu Zeit sprechen Experten auch von “Landflucht”, gerade in den ostdeutschen Bundesländern hat man leidliche Erfahrung damit gemacht. Doch längst nicht nur dort ist der Wegzug aus ländlichen Regionen ein Thema.

Die Weltbank und die Vereinten Nationen geben für dieses Phänomen den  “Urbanisierungsgrad” aus. Er beschreibt, wie groß der Anteil an Einwohnern ist, die in Städten leben. Deutschland liegt mit 77,5 % nur knapp über dem Durchschnitt in der EU. Doch die Entwicklung der letzten 20 Jahre zeigt: Der Anteil der Bevölkerung, der in Städten wohnt, wächst kontinuierlich. Weltweit sogar noch stärker (Quelle).

Die Trends, die Einblicke in das Wohnen der Zukunft geben, sind allerdings deutlich vielschichtiger.


Was beeinflusst das Wohnen in Zukunft? Und welche Veränderungen zeichnen sich bereits heute ab? 

Wohnungsbaugesellschaften, Politik und Stadtplanung müssen sich zwangsläufig mit den Entwicklungen des Wohnverhaltens und den Bedürfnissen der Menschen auseinandersetzen. Regelmäßig geben diese Studien und Umfragen dazu in Auftrag, um Trends und Entwicklungen für die Zukunft abzuleiten.

Es gibt 5 Faktoren, die nahezu aus jeder Fachrichtung für relevant gehalten werden und starken Einfluss auf das Wohnen der Zukunft haben. Darüber geben wir Dir einen einfachen Überblick.

Die Haupteinflüsse für das zukünftige Wohnen:

1. Demographischer Wandel

2. Digitalisierung

3. Bezahlbarer Wohnraum

4. Klimawandel

5. Mobilität

Zusatz: Corona



Demographischer Wandel: Von der Pyramide zum Tannenbaum zur Urne

Die ideale Zusammensetzung einer Gesellschaft in Bezug auf seine Altersgruppen sieht laut Wissenschaftlern wie eine Pyramide aus: Die jungen und erwachsenen Menschen bilden ein solides Fundament und können mit ihrer Wirtschaftsleistung die älteren Generationen und ihre Versorgung tragen. Vor rund 100 Jahren war dies in Deutschland noch der Fall.

Inzwischen hat sich die Bevölkerungspyramide (die trotzdem noch so genannt wird) hierzulande zu einer Urnenform entwickelt. Die mittlere Altersgruppe um die 50-Jährigen hat ein deutliches Übergewicht gegenüber den jungen Altersgruppen. Ein Grund sind zu wenige Geburten in den letzten Jahrzehnten.

Drei zentrale demographische Kriterien für die Alterspyramide sind: Geburten, Sterbefälle und das Wanderungssaldo.

Wie man sieht, gab es bereits seit den 70er Jahren keine Geburtenüberschuss mehr in Deutschland. Es sterben jährlich mehr Menschen als neu geboren werden. In den 2000ern stieg das Geburtendefizit sogar noch weiter an und hat sich in den letzten 10 Jahren bei etwa minus 150.000 Menschen eingependelt. Dies ist die hauptsächliche Herausforderung für die kommenden Jahrzehnte - die alternde Gesellschaft.

Ausschlaggebend ist außerdem das Wanderungssaldo, also die Differenz zwischen Zuzügen und Wegzügen aus Deutschland. Hier hat es in den vergangenen Dekaden teils sehr sprunghafte Bewegungen gegeben. Ohne die teils erheblichen Zuwanderungen, die es seit Mitte der 80er Jahre gab, wäre die deutsche Gesellschaft geschrumpft. Die Ausschläge in den 90ern sowie ab 2014 sind dabei insbesonderen geprägt gewesen von Schutz- und Asylsuchenden.

Digitalisierung


Laut einer Studie zu “Wohntrends 2035” aus dem Jahr 2018 vom Bundesverband der Deutschen Wohn- und Immobilienunternehmen (GdW) hat die Digitalisierung auch für das Wohnen der Zukunft revolutionären Charakter. Den Ergebnissen zufolge wird die Vermietung digitaler. Bereits heute gibt es entsprechende Anbieter, welche durch die Corona-Pandemie erste Erfolge erzielen konnten.

Auch die Innenraumgestaltung soll laut GdW “digitaler” und ganze Quartiere “smarter” werden. Eine weitere Entwicklung, die bereits seit Jahren zu beobachten ist, stellt die Verkleinerung der Haushalte dar. Der Zuzug in die Städte macht Wohnraum rar und kleiner. Entsprechend ändert sich die Raumnutzung, Vorbilder wie Tokio und New York zeigen, wie es funktionieren kann. Neue Wohnformen wie Tiny Houses runden das Bild der Studie ab.

Laut dem Digitalisierungsgrad der EU-Länder nach dem DESI Index belegt Deutschland 2020 nur einen Platz knapp über dem europäischen Durchschnitt.

In Puncto “Smart Home” schätzt der Statista Digital Market Outlook, dass sich allein von 2020 bis 2025 das Nutzungsverhalten der Deutschen massiv erhöhen wird. 

Bezahlbarer Wohnraum

Auf den ersten Blick ist das Wohnen im Vergleich von 2014 zu 2018 laut einer Studie der IW Köln günstiger geworden - allerdings nur statistisch. In Wahrheit gilt das nur für den Durchschnitt und nur in Anbetracht dessen, wie sich Mieten und Löhne in dieser Zeit im gesamtdeutschen Schnitt entwickelt haben. Dazu heißt es: “In Deutschland ist der Medianbruttolohn zwischen 2014 und 2018 um insgesamt 9,4 Prozent auf 3.312 Euro monatlich gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Wiedervertragsmieten um 8,5 Prozent auf durchschnittlich 7,44 Euro gestiegen, woraus sich eine Wachstumsdifferenz von 0,9 Prozentpunkten ergibt. Insgesamt ist das Mieten im Mittel damit relativ gesehen günstiger geworden, die Erschwinglichkeit ist gestiegen.“

Die Studie sieht eine Dreiteilung:

Gestiegene Erschwinglichkeit von Wohnraum gibt es den Daten zufolge in Ostdeutschland.
In Westdeutschland sind die Verhältnisse von Lohn- und Mietentwicklung eher gleich geblieben.
In Teilen von Süddeutschland sind die Mieten hingegen deutlich schneller gestiegen als die Löhne.

Was die in den Untersuchungen allerdings nicht berücksichtigt wurde, sind die Vermögensverhältnisse. Laut ARD-DeutschlandTREND vom April 2019 sieht jeder Dritte in Deutschland ein großes oder sehr großes Problem darin, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Besonders stark ist laut diesen Ergebnissen das Problem in Städten ab 100.000 Einwohnern.

Noch drastischer ist allerdings das Feedback des DeutschlandTREND rund ein Jahr später in Bezug auf die politischen Anstrengungen im Bereich bezahlbarer Wohnraum: 80 % der Befragten geben an, dass sie mit der Politik zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wenig oder gar nicht zufrieden sind.

Dies sind Grund, warum bezahlbarer Wohnraum und der Soziale Wohnungsbau nicht nur ein Wahlkampfthema sondern auch für viele Regionen ein echtes Dauerthema sind und einen Einfluss auf das zukünftige Wohnen haben werden.


Klimawandel: Nachverdichtung versus Grünflächen

Das Wohnverhalten und der Wohnraum selbst hat einen großen Einfluss auf das Klima. Zu den größten Belastungen zählen Flächen-, Wasser- und Energieverbrauch sowie Schadstoffausstoß und Abfall (Quelle). Eine klimagerechte Gestaltung von Wohn- und Lebensräumen kann daher einen großen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten.

Eine Herausforderung besteht darin, dass gleichzeitig der Druck auf den Städten wächst, Wohnraum zu schaffen. Daher wird immer mehr nachverdichtet, freie Flächen geschaffen bzw. für neue Wohnimmobilien genutzt und auf der anderen Seite Dachflächen ausgebaut oder Geschosse aufgestockt. Inwiefern die Nachverdichtung in Städten vereinbar ist mit den Herausforderungen des Klimawandels, müssen zukünftige Nutzungskonzepte zeigen.

Ein heutiges Beispiel, wie sich Stadt- und Lebensräume in eine klimafreundlichere Richtung bewegen können, zeigt das Thema “Superblocks”. 

Bereits in den 90er Jahren verbannte die Stadt Barcelona Teile des privaten Autoverkehrs aus einzelnen Wohnvierteln und nutzte den freigewordenen Raum für Begrünung und neue Lebensflächen (Quelle). Diese Superblocks gelten seither als Vorbild, um Stadtflächen umzuwandeln und nicht nur dem Klima, sondern auch den Einwohnern etwas Gutes zu tun. Zahlreiche Nachfolgeprojekte sind in den letzten Jahren hinzugekommen, wie z. B. der “Bergmannkiez” in Berlin oder das “Superbüttel” in Hamburg.


Mobilität

Wie die Konzepte der “Superblocks” bereits zeigen, hängen Wohnen und Mobilität bei der Stadtplanung eng zusammen. So wird sich auch die Mobilität der Zukunft auf das Wohnen der Zukunft auswirken.

In den größeren Städten Deutschlands bekommt man bereits eine Vorahnung davon, wie das Stadtleben in Zukunft aussehen könnte: Car-Sharing, E-Scooter und E-Mobilität sind schon jetzt dort angekommen und beeinflussen die Art, wie wir uns fortbewegen und wie wir Flächen nutzen.

Auch das Thema “Radverkehr” zählt dazu. Der Ruf nach mehr Fahrradfreundlichkeit ist beispielsweise in der Stadt Köln in jüngster Zeit immer lauter geworden. Seit mehreren Jahren belegt die Stadt letzte Plätze in Bezug auf die Fahrradfreundlichkeit beim ADFC Fahrradklima-Test (Quelle). 

Zusatz: Wie wird Corona unseren Wohnraum verändern?

Spätestens seit 2020 ist ein Thema, das den Wohn- und Lebensraum vieler Menschen massiv beeinflusst hat, auch ein Thema für das Wohnen der Zukunft: Home-Office.

In Deutschland arbeiten derzeit laut Erhebungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln 14,8 Mio. Menschen im Büro. In der Ausgabe des “IW-Trends 2020/3” heißt es dazu: “Im Zeitraum 2012 bis 2018 ist die Anzahl der Bürobeschäftigten um knapp 3 Millionen gestiegen. Die Quote der Bürobeschäftigten hat sich gleichzeitig von 35,2 Prozent auf 36,7 Prozent erhöht.”

Ein Großteil der Arbeit, die im Büro stattfindet, kann theoretisch auch mit den Mitteln von Online-Konferenzen und Arbeits-Tools von Zuhause aus erledigt werden. Und das wurde auch im vergangenen Jahr vielfach genutzt. Die Ergebnisse des IW Köln zeigen, dass 46 % der Büroangestellten gelegentlich oder häufig im Home-Office arbeiten und weitere 39 % die Gelegenheit dazu haben, insgesamt wurde Home-Office 9 % mehr genutzt als vorher.

Neue Anforderungen für Wohnräume könnten dahingehend in die Vergrößerung der eigenen vier Wände sein - oder zieht man vielleicht doch gleich direkt aufs Land Dieser Frage hat sich das ifo Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung in einer Studie mit 18.000 Teilnehmern gewidmet. Sie kommt zu dem Schluss: Etwa 6 % der Großstädter wollen aufgrund der Corona-Pandemie ihren aktuellen Wohnort verlassen - allerdings wollen nur 11 % davon in den ländlichen Raum ziehen, die meisten sind an kleineren Großstädten oder Vororten von Großstädten, den Speckgürteln, interessiert.



Wohnform 2.0: Vom Wohn- zum Lebensraum

Die Zukunft benötigt auch andere Wohnformen als heute, weil sich die Gesellschaft und damit die Wohnkultur verändert. Der Anteil Alleinlebender und älterer Menschen wächst, die Nachfrage nach Kurzzeitwohnen steigt: Eine neuen Balance zwischen individuellem Wohnraum und Gemeinschaftsflächen ist gefordert.



Vielfalt durch Urbanität

Der Megatrend der Individualisierung resultiert in einer steigenden Vielfalt an Lebensstilen, Familienmodellen – und auch Wohnformen. Neue Freiheiten, Ungebundenheit und die Trennung von gesellschaftlichen Konventionen wie Familiengründung ermöglichen immer mehr individuelle Entscheidungen in der privaten Lebensführung. Städte sind hierfür sowohl Inkubatoren als auch „Testlabore“. Der Wunsch nach Individualität und Selbstverwirklichung wächst und mündet zugleich in neue Gemeinschaften, Kulturen, Arbeitsformen, Familien- und Lebensmodelle jenseits alter Traditionen.

In den nächsten Jahren werden die klassischen Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten, zwischen Beruf und Freizeit, öffentlich und privat, Familien- und Freundeskreis weiter verschwimmen. Das zunehmende Bedürfnis und die steigende Notwendigkeit, flexibel, mobil und permanent erreichbar zu sein, verstärken diesen Trend ebenso wie die Möglichkeiten, die durch moderne Technik, Internet und digitale Vernetzung entstehen. Unterschiedliche Nutzungen überlagern und ergänzen sich.

Innovativer Wohnungsbau und zukunftsweisendes Immobilienmanagement werden daher auch neue Konzepte entwickeln, die eine funktionale Integration und Konvergenz unterschiedlicher Lebensbereiche zulassen.


Zu den Wohn- und Lebenstrends der Zukunft gehören:

- Co-Working-Spaces - moderne, voll ausgestattete Gemeinschaftsbüros, die temporär an Freelancer vermietet werden.


- Mikroapartments sowie Minihäuser als bezahlbarer und alternativer Wohnraum für Singles und Studenten.


- Smart Homes - vernetzte “intelligente” Immobilien.


- Seniorenimmobilien und Ageless- und Universal-Design-Konzepte mit Ambient Assisted Living als Gestaltungsprinzip.


- Green Living als Konzept des natürlichen und ökologischen Wohnens.


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